Foto: LMZ Baden-Württemberg

Allgemeinbildende Schulen

Baden-Württemberg gehört zu den Bundesländern, die bisher am klassischen dreigliedrigen Schulsystem festgehalten haben. In diesem werden die Schüler nach vier Grundschulklassen auf drei weiterführende Schularten verteilt: Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es in Baden-Württemberg außerdem die Werkrealschule, die allerdings keine eigene Schulart bildet, sondern der Hauptschule gleichgestellt ist. Neben diesen Schularten besteht noch ein flächendeckendes Angebot an Sonderschulen.
Als Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem gilt die Gesamtschule als Regelschule. Bei diesem Schulsystem gibt es keine verschiedenen Schularten mehr. Alle Kinder lernen bis zur 10. Klasse gemeinsam. Danach besteht die Möglichkeit, eine gymnasiale Oberstufe anzuschließen. Die Diskussionen, welches Schulsystem das bessere ist, gibt es schon sehr lange und wird häufig ideologisch geführt. Trotz der Kontroverse haben sich viele Bundesländer für Mischformen der beiden Systeme entschieden, bei denen sowohl Gesamtschulen als auch andere weiterführende Schulen, immer einschließlich Gymnasien, angeboten werden. In Baden-Württemberg gibt es Gesamtschulen bisher nur als Schulversuch.

Auch Ganztagesschulen sind nicht als Regelschulen gesetzlich verankert. Dabei lag der Anteil der ganztags betreuten Kinder und Jugendlichen 2008/09 bei 25 Prozent und das Ziel des 2006 gestarteten Ganztagsschulprogramms ist es, ein bedarfsorientiertes und flächendeckendes Netz von öffentlichen allgemeinbildenden Ganztagsschulen im Land zu schaffen.

Bei Leistungsvergleichen zwischen den Bundesländern schneidet das baden-württembergische Schulsystem seit Jahren sehr gut ab. Neben Bayern belegen die baden-württembergischen Schüler regelmäßig die Spitzenplätze. Trotz dieser Erfolge bringen die Ländervergleiche auch die negativen Seiten des baden-württembergischen Schulsystems zutage. Baden-Württemberg ist das Bundesland, in dem die soziale Herkunft den größten Einfluss auf den Bildungserfolg der Schüler hat. Die Chancen von Akademikerkindern das Gymnasium zu besuchen sind gegenüber gleich intelligenten Facharbeiterkindern in Baden-Württemberg 6,6-mal so hoch. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 4,5. Auch Kinder mit Migrationshintergrund haben es im baden-württembergischen Schulsystem schwer. Sie machen deutlich seltener das Abitur als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Das ist prekär, da jeder dritte Baden-Württemberger unter 18 Jahren über einen Migrationshintergrund verfügt und diese als gut ausgebildete Fachkräfte für die wirtschaftliche Zukunft von Baden-Württemberg gebraucht werden.

Schüler in Baden-Württemberg

Derzeit besuchen etwas mehr als 1,2 Millionen junge Menschen eine Schule im Land. Nach einem Rückgang der Schülerzahlen an den allgemeinbildenden Schulen in den 1980er Jahren stiegen die Zahlen in Baden-Württemberg in den 1990er wieder. Seitdem Schuljahr 2006/07 nimmt die Zahl der Schüler in Baden-Württemberg allerdings wieder ab. Prognosen gehen davon aus, dass die Schülerzahlen weiter sinken werden. Das Statistische Landesamt rechnet im Jahr 2030 aufgrund des demografischen Wandels   nur noch mit 954.400 Schülern an allgemeinbildenden Schulen. Das kann positiv Folgen haben, z.B. dass die Klassen kleiner werden und so die Betreuung durch den Lehrer besser wird. Es wird aber auch dazu führen, dass weniger Schulen gebraucht werden und Schüler längere Schulwege auf sich nehmen müssen, um die nächste Schule zu erreichen. Besonders prekär ist diese Entwicklung für die Hauptschulen. Diese leiden schon jetzt unter sinkenden Schülerzahlen. Immer mehr Eltern wollen ihr Kinder nicht auf eine Hauptschule schicken, da sie in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf hat. Um dem entgegen zu wirken, schaffte die letzte Landesregierung die Werkrealschule als Alternative für Kinder mit Hauptschulempfehlung.

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Grundschule

Die vierjährige Grundschule ist die gemeinsame Grundstufe des Schulwesens. Ihr Auftrag ist die Entfaltung der verschiedenen Begabungen der Kinder in einem gemeinsamen Bildungsgang. Kernanliegen ist es, jedes Kind seinen Lernmöglichkeiten entsprechend zu fördern. Gleichzeitig sollen die Grundschullehrer den Kindern, trotz der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lernerfahrungen, bis zum Ende der Grundschulzeit vergleichbare Grundkenntnisse und Fertigkeiten vermitteln.

In den letzten Jahren kam es in der Grundschule zu einigen Reformen. Diese sollen die Förderung aller Kinder, ob lernschwach oder hochbegabt, verbessern. So wird die Einschulung heutzutage flexibler gehandhabt und es gibt ab der ersten Klasse Fremdsprachenunterricht. 

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Hauptschule und Werkrealschule

Im Anschluss an die Grundschule führt die Hauptschule die Schüler bis Klasse 9 und schließt mit einer landesweit zentralen Abschlussprüfung ab. Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es in außerdem die Werkrealschule in neuer Konzeption. Sie ist der Hauptschule gleichgestellt, kann aber in einem durchgehenden Bildungsgang bis Klasse 10 zur Mittleren Reife führen oder nach der 9. Klasse zu einem Hauptschulabschluss.

Auch besonders befähigte Schüler normaler Hauptschulen können ein zehntes Schuljahr absolvieren, das eine erweiterte allgemeine Bildung vermittelt. Es schließt mit einem Abschlussverfahren ab und vermittelt einen dem Realschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand. 

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Realschule

Die sechsjährige Realschule bietet zusätzlich zum regulären Fächerkanon ab Klasse 7 ein weiteres Kernfach: Technik, Mensch und Umwelt oder Französisch. Diese Differenzierung ermöglicht eine neigungsbezogene Schwerpunktsetzung. Nach dem Erwerb des Realschulabschlusses stehen viele weitere Berufs- und Bildungswege offen. Eine Berufsausbildung in Industrie, Handwerk, Handel und Verwaltung kann durch den erfolgreichen Besuch einer Fachschule bis zur Fachhochschulreife führen. Dabei erwerben die Jugendlichen gleichzeitig einen staatlichen Abschluss, etwa als Techniker oder Betriebswirt.

Die Fachhochschulreife kann auch durch eine berufliche Ausbildung in einem Berufskolleg oder nach der Berufsausbildung durch den Besuch an einem einjährigen Berufskolleg erworben werden. Realschüler wählen häufig den Weg über ein berufliches oder allgemeinbildendes Gymnasium, um nach dem Realschulabschluss die Hochschulreife zu erwerben. Weiterhin gibt es bereits am Ende von Klasse 6 und 7 – in Einzelfällen auch später – die Möglichkeit, ein Aufbaugymnasium zu besuchen und damit ebenso die Hochschulreife zu erlangen.

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Gymnasium

Das Gymnasium baut in der Normalform auf der Grundschule auf und umfasst seit dem Schuljahr 2004/05 acht Jahre. Abgeschlossen wird das Gymnasium mit der Abiturprüfung. Mit dem Abitur wird die Zugangsberechtigung für ein Studium an einer Universität oder sonstigen Hochschule erworben. Deshalb heißt das Abiturzeugnis auch Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife. Mit einem Anteil von knapp 40 Prozent wechselt die Mehrheit der Kinder in Baden-Württemberg von der Grundschule direkt auf das Gymnasium. Es bestehen aber noch weitere Möglichkeiten das Abitur zu erlangen, z.B. an den Aufbaugymnasien mit Internat. Diese Schulen wollen besonders die musischen, kreativen oder sportlichen Talente der Schüler fördern. Die Aufbaugymnasien beginnen erst in Klasse 7 und sowohl Gymnasiasten als auch Haupt- und Realschüler können auf sie wechseln. Außerdem gibt es in Baden-Württemberg eine Vielzahl von beruflichen Gymnasien, welche Schülern mit mittlerer Reife ermöglichen, die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. 

Innerhalb des gymnasialen Bildungsgangs bestehen Differenzierungsangebote in bestimmte Profile und Fremdsprachenfolgen. Die meisten Schüler besuchen ein naturwissenschaftliches oder sprachliches Profil. Daneben führen einige Standorte Musik, Bildende Kunst oder Sport als Profil. Zunehmend finden sich neben den alten Sprachen sowie Englisch und Französisch weitere moderne Sprachen wie Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Russisch oder – als später beginnende Fremdsprache – Türkisch, Chinesisch und Japanisch. In der Oberstufe wird in den beiden letzten Jahren im Kurssystem gearbeitet. Seit dem Schuljahr 2002/2003 bestehen neben den verbindlich zu absolvierenden Kernkompetenzfächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache zahlreiche Wahlmöglichkeiten innerhalb der Fächergruppen. Die Freiräume für schulisches Arbeiten sind für die einzelnen Fächer und Vertiefungsmöglichkeiten durch Wahlmodule erweitert worden.

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Sonderschulen und private Schulen

Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen besuchen die allgemeine Schule, wenn diese aufgrund der gegebenen Verhältnisse diesen Erziehungs- und Bildungsauftrag gewährleisten kann. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und einem hohen sonderpädagogischen Förderbedarf steht ein ausgebautes und differenziertes Sonderschulwesen zur Verfügung. Hier können alle Bildungsabschlüsse der allgemeinen Schulen erreicht werden. Ein Wechsel von einer Sonderschule in eine allgemeine Schule und umgekehrt ist jederzeit möglich. Das Grundgesetz (Art. 7 Abs. 4 Satz 1) und das Privatschulgesetz Baden-Württembergs garantieren die Gründung und Existenz von Privatschulen. Im Land bestehen rund 400 private allgemeinbildende Schulen, darunter Abendrealschulen und -gymnasien, die Freien Waldorfschulen, private Sonderschulen und weitere berufliche Privatschulen.

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Berufliche Schulen

Die öffentlichen und privaten beruflichen Schulen (einschließlich Schulen des Gesundheitswesens) in Baden-Württemberg werden von rund 410.000 Schülern in Voll- oder Teilzeit besucht. Die Berufsschule ist der größte Bereich des beruflichen Schulwesens. Das wesentliche Qualitätsmerkmal ist dabei die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, die an zwei Lernorten vermittelt werden: im Betrieb und in der Berufsschule. Dieses duale System eröffnet allen jungen Menschen die Möglichkeit, einen qualifizierten Beruf zu erlernen, der sie befähigt, anschließend direkt in das Arbeitsleben einzusteigen. Derzeit beginnen rund zwei Drittel eines Altersjahrgangs mit einer dualen Berufsausbildung.

Das berufliche Schulwesen im Land bietet berufsqualifizierende und allgemein- bildende Abschlüsse, die vom  Hauptschulabschluss bis zur allgemeinen Hochschulreife reichen können. Das durchlässig gegliederte Schulsystem in Baden-Württemberg stellt sicher, dass es keinen schulischen Abschluss ohne Anschluss gibt. Schülerinnen und Schüler können so die jeweils nächste Stufe der Qualifizierung erreichen und ihr individuelles Begabungspotenzial ausschöpfen.

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Ministerium für Kultus, Jugend und Sport

 
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Ministerin: Gabriele Warminski-Leitheußer 

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Wie wird die Schule den Anforderungen und Aufgaben der Zukunft gerecht? Welche Ziele verfolgt der Bildungsplan 2004, welche Methoden kommen zum Einsatz? Weitere Informationen finden Sie hier...

 
 
 
 
 

 

Der Verein bringt sich aktiv in den derzeit laufenden Schulentwicklungsprozess in Baden Württemberg ein. Unterstützt von inzwischen Tausenden LehrerInnen und Eltern, von über 450 SchulleiterInnen, von WissenschaftlerInnen und vielen weiteren Solidaritätsadressen, fordert er einen Paradigmenwechsel hin zu einem inklusiven Schulsystem, in dem alle Kinder und Jugendliche länger gemeinsam miteinander und voneinander lernen und dabei individuell gefördert werden. Weitere Informationen finden Sie hier...

 
 
 
 
 

Schule und Europa – zwischen Verfassungsauftrag und aktiver Unionsbürgerschaft

 
 
 
 
 

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