Bürgerschaftliches Engagement

Dr. Iris Häuser

Bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement erfährt auf der landespolitischen, vor allem aber auch auf der kommunalpolitischen Ebene eine aktive Unterstützung, wenngleich damit der Bedarf noch keineswegs abgedeckt ist. Für Projekte sowie für das Landesnetzwerk für bürgerschaftliches Engagement bietet das Sozialministerium Unterstützung.

Mit dem Landespreis „Echt gut! Ehrenamt in Baden-Württemberg“ würdigt das Land herausragendes Engagement. Bürgerbüros oder Stabsstellen geben in den Kommunen Hilfestellung und bieten Weiterbildungsangebote für diejenigen, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in den Dienst des Gemeinwesens stellen möchten. Auf das klassische Ehrenamt waren die Gemeinden, Vereine oder karitative Einrichtungen ohnehin schon immer angewiesen. Nur dadurch gelang die Breitenwirkung und Beständigkeit der Aufgabenstellungen.

Erfolgreich werden seit Jahren für Jugendliche auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) von der Landeszentrale für politische Bildung im Auftrag des Umweltministeriums durchgeführt. Mit dem Gemeinnützigen Bildungsjahr (GBJ) bauen verstärkt auch Kommunen ein Angebot für Jugendliche und deren Einsatz als Freiwillige auf.

Baden-Württemberg lässt sich darüber hinaus mit Recht als das Stifterland in Deutschland bezeichnen. Nirgendwo sonst existieren so viele Stiftungen, die auf die Initiative von Privatpersonen oder Unternehmen zurückgehen.
Ihre Arbeit stellt in vielen gesellschaftlichen Bereichen, in Kunst und Kultur, in der Integrationsarbeit, in der Bildung und gesundheitlichen Betreuung einen  unverzichtbaren Bestandteil dar, zumal sie oft modellhaft und wegweisend für die Zukunft arbeiten. Mit der Robert Bosch Stiftung und der Landesstiftung Baden-Württemberg sind zudem zwei der größten Stiftungen Deutschlands in Baden-Württemberg beheimatet. Hinzu engagieren sich viele Unternehmen als Mäzene im Kunst- und Kulturbereich.

Neben den klassischen Bereichen der gemeinnützigen Arbeit hat sich in den letzten Jahren – teilweise im Zuge der Arbeit von Bürgerinitiativen und der Agenda-Prozesse in den Kommunen – das Spektrum bürgerschaftlichen Engagements erweitert.

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Warum bürgerschaftliches Engagement?

Die Arbeit als Jobpate, als Lotse durch die Sozialverwaltung, als Mentor für konkrete soziale oder kulturelle Aufgabenstellungen, die Mitarbeit bei Stadtteilentwicklungs- oder Integrationsprojekten, bei Mikroprojekten in der Jugendarbeit, in Modellen generationenübergreifender Lebensformen und vieles mehr sind hinzugekommen. Mit den JES-Projekten („Jugend engagiert sich sozial“) kommt ein spezielles Angebot für Jugendliche hinzu. Nicht ohne Grund: Hier stellen sich zentrale Herausforderungen für die Zukunft städtischer Entwicklung und für die Lösung gesellschaftlicher Probleme vor Ort. Mit dem Ansatz des „Corporate Citizenship“ wird zudem versucht, neue Wege für das Engagement von Unternehmen zu gehen.

Die Förderung bürgerschaftlichen Engagements folgt zum einen der Einsicht, dass der Lösungsbedarf aufgrund der knappen finanziellen und personellen Ressourcen in den zuständigen Verwaltungen und Einrichtungen im sozialen, im Bildungs- und Kulturbereich nicht erfüllt werden kann. Zum anderen zeigt die Erfahrung, dass die Beteiligung und die Expertise der Bürgerinnen und Bürger bei der Planung und Umsetzung politischer Entscheidungen vor allem auch zu deren Erfolg beitragen, weil sie die notwendigen Erfahrungen vor Ort mitbringen.

So erhält die Bürgerbeteiligung auch zunehmend die Dimension der politischen Partizipation. Der Begriff der Bürgerkommune weist in diese Richtung, bei der die Bürgerinnen und Bürger über ihre Vertretungsgremien hinaus, z. B. im Rahmen eines  Bürgerhaushaltes, stärker an der politischen Gestaltung, aber auch an der politischen Verantwortung beteiligt werden.

Ungeachtet der sicherlich größeren Anstrengungen beim Ausgleich der unterschiedlichen Interessen kann sich damit die Chance verbinden, Stadtentwicklung im Konsens und nahe an den konkreten Bedürfnissen Bürgerinnen und Bürger zu gestalten.

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Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren

 
 
 
 
 
 

Bürgerschaftliches Engagement

 
Bürgerschaftliches Engagement
Der Bürger im Staat
"Bürgerschaftliches Engagement"
 Stuttgart 2007, 80 Seiten 

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