
- Foto: LMZ Baden-Württtemberg
Grenzüberschreitender und internationaler Umweltschutz
Dr. Reinhold Weber
Nachhaltiges umweltgerechtes Handeln betrifft nicht nur alle Politikfelder, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern weist auch grenzüberschreitende Aspekte auf. Luft- und Wasserverschmutzung sowie Klimabeeinflussung kennen keine Landesgrenzen. Ein Beispiel für eine erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist seit vielen Jahren der Bodenseeraum. Hier, wie auch entlang des Rheins, sind partnerschaftlicher Dialog und gemeinsame Maßnahmen der europäischen Regionen gefragt. Zum Erhalt und nachhaltigen Schutz des Ökosystems Bodensee kooperiert das Land in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) seit 1959 mit den angrenzenden Ländern und Kantonen.
Entsprechend dem globalen Charakter wichtiger Umweltprobleme wie dem Klimaschutz engagiert sich das Land auch in der Umweltentwicklungs- zusammenarbeit. Ein Land wie Baden-Württemberg muss Entwicklungs- und Schwellenländer an seinen zukunftsweisenden Konzepten und Lösungen teilhaben lassen. Dem dienen z. B. konkrete Projekte in China zur Energieeffizienz in Gebäuden und zur Abwasserreinigung sowie die Kooperation mit Beitrittsstaaten der EU. Neben der Verbesserung der Umweltsituation und der Lebensverhältnisse der Menschen dort bieten solche Initiativen auch Chancen für die heimische Wirtschaft im wachsenden Exportmarkt Umwelttechnik, auf dem Baden-Württemberg eine Spitzenstellung einnimmt. Dies ist nicht zuletzt auf die gezielte Unterstützung von Forschungsarbeiten zur Lösung von Umweltproblemen zurückzuführen.
Klimaschutz und Klimawandel
Der Klimawandel ist in vollem Gange und auch in Baden-Württemberg erkennbar. Die Frage, ob der Mensch das Klima verändert oder nur natürliche Schwankungen für den Klimawandel verantwortlich sind, wird von der Klimaforschung mittlerweile klar beantwortet: Seit der Industriellen Revolution erhöht sich durch unser Wirtschaften die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre. Dieser Anstieg verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und führt zu einer globalen Erwärmung der Erdoberfläche und in den unteren Luftschichten.
Die Folgen des Klimawandels auf Natur und Umwelt, auf die Wirtschaft und auch auf die Gesundheit des Menschen sind bedeutend. Stürme, Hochwasser und Hitzeperioden der vergangenen Jahre haben dies gezeigt. Für Baden-Württemberg kann aber nach heutigem Erkenntnisstand davon ausgegangen werden, dass Anpassungen an diese neuen Gegebenheiten im Großen und Ganzen möglich sein werden, in einzelnen Bereichen, wie Sommertourismus oder Weinbau, dürfen wir sogar Vorteile erwarten. Der Wintertourismus aber wird sich umstellen müssen.
Viel einschneidender als bei uns stellen sich die Zukunftsszenarien in anderen Klimazonen der Erde dar, angefangen schon im Mittelmeerraum. Die klimatischen Verhältnisse in den Tropen und Subtropen sowie in Polnähe stellen vielfach heute schon für die Menschen dort ein Leben unter extremen, häufig existenzbedrohenden Bedingungen dar. Klimakatastrophen wie Überflutungen und Wüstenbildung sowie das Abschmelzen und Auseinanderbrechen der Eisschilde könnten in ihren Intensitäten Ausmaße erreichen, die zu Umgestaltung und Vernichtung ganzer Regionen führen, in denen heute noch viele Millionen Menschen, Tiere und Pflanzen leben.
Maßnahmen
Nur wenn es gelingt, den weltweiten Temperaturanstieg einzudämmen, können die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch verhindert werden. Das Zeitfenster, in dem ein darüber hinausgehender Temperaturanstieg noch vermieden werden kann, schließt sich in den nächsten zwei Jahrzehnten. Es ist also rasches und energisches Handeln zur Reduktion der Treibhausgase notwendig. Umso mehr, als konsequenter Klimaschutz neben geringeren CO2-Emissionen auch die Abhängigkeit von Energieimporten senkt, Energieressourcen schont und geringere Schadstoffemissionen dank weniger Verbrauch fossiler Energieträger zur Folge hat.
Das Land Baden-Württemberg hat deshalb das „Klimaschutzkonzept 2010“ entwickelt. Durch die Umsetzung der darin genannten Maßnahmen sollen im Zeitraum von 2008 bis 2012 im Mittel die CO2-Emissionen um zwei bis vier Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden. Die zentralen Maßnahmen, um einen wirksamen Klimaschutz zu erreichen, sind Energie einsparen, Energie effizienter nutzen und erneuerbare Energien ausbauen. Baden-Württemberg strebt deshalb an, den Pro-Kopf-Energieverbrauch in den nächsten zehn Jahren um zwanzig Prozent zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2010 (gegenüber 1997) zu verdoppeln. In einem nächsten Schritt wird ein Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von zwanzig Prozent bis zum Jahr 2020 angestrebt.
Der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch betrug im Jahr 2008 8,8 Prozent, und es ist weiterhin mit einer dynamischen Entwicklung zu rechnen. Letzteres gilt auch für Energieeffizienz und Energieeinsparung: Diese Bereiche stellen ein erhebliches Potenzial dar, das zu einem großen Teil durch Maßnahmen, die sich rechnen, realisiert werden kann. Doch all dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin enorme Anstrengungen erforderlich sind, wenn ein wirksamer Klimaschutz erreicht werden soll. Klimaschutz braucht einen langen Atem – eine Verschnaufpause kann sich niemand mehr leisten.



