Freie Demokratische Partei (FDP)
in Baden-Württemberg

Die FDP (Freie Demokratische Partei) ist eine liberale Partei. Heute steht sie vor allem für einen wirtschaftsliberalen Kurs: Sie setzt auf Eigenverantwortung, unternehmerische Freiheit und möglichst wenig staatliche Eingriffe in den Markt. Neben Wirtschaftsthemen betont die FDP auch die Bedeutung der individuellen Freiheit.
Kurz & knapp: Informationen zur Partei
- Der baden-württembergische Landesverband ist mit etwa 8.800 Mitgliedern (Stand: Juni 2025) der zweitgrößte der 16 Landesverbände der FDP in Deutschland.
- Im 18. Landtag (seit Mai 2026) ist die FDP/DVP nicht mehr vertreten, erstmals in der Geschichte Baden-Württembergs.
- Landesvorsitzender ist seit September 2026 Andreas Glück.
- Während die Landespartei den Zusatz DVP in ihrem Namen inzwischen aufgegeben hat, erinnerte die Landtagsfraktion mit ihrer Bezeichnung FDP/DVP an die traditionsreiche FDP-Vorgängerorganisation im deutschen Südwesten, der liberalen Deutschen Volkspartei (DVP).
- Wenn man von der nur wenige Wochen währenden Amtszeit von Thomas Kemmerich in Thüringen absieht, ist die FDP in Baden-Württemberg der einzige Landesverband, der mit Reinhold Maier (1952–1953) einen Ministerpräsidenten in einem Bundesland der Bundesrepublik Deutschland stellen konnte.
Welche Rolle spielt die FDP in Baden-Württemberg?
Baden-Württemberg gilt als Stammland der FDP. Bis zur umstrittenen Wahl Thomas Kemmerichs in Thüringen 2020, die nur wenige Wochen Bestand hatte, war Baden-Württemberg das einzige Bundesland, in dem die Partei jemals den Ministerpräsidenten stellte − in Person von Reinhold Maier (1952-1953).
Im Südwesten war die FDP zudem lange Zeit besonders stark: Sie ist seit 1952 durchgängig im Landtag vertreten und erzielte oftmals bessere Ergebnisse als in vielen anderen Bundesländern. Dies ist nicht zuletzt auf eine in Baden-Württemberg ausgeprägte bürgerlich-liberale Tradition zurückzuführen – mit vielen Selbstständigen und mittelständischen Unternehmen, die den wirtschaftsliberalen Kurs der FDP unterstützen.
Die stärkste Phase der FDP liegt schon etwas länger zurück – in den 1950er und 1960er Jahren erreichte sie Ergebnisse zwischen 13,1 und 18 Prozent –, doch holte sie auch bei den Landtagswahlen 2021 mit 10,5 Prozent ein beachtliches Ergebnis. Bei der Landtagswahl 2026 jedoch verpasste sie mit 4,4 Prozent der Zweitstimmen den erneuten Sprung in den Landtag.
In Regierungsverantwortung waren die Freien Liberalen zuletzt zwischen 1996 und 2011 als Juniorpartner der CDU in einer schwarz-gelben Koalition.
Welche Ziele hatte die FDP für die Landtagswahl 2026?
Nach dem verpassten Einzug in den Bundestag bei den Wahlen im Februar 2025 stand die FDP vor den Landtagswahlen in ihrem Stammland gehörig unter Druck. Sollte der Wiedereinzug in den Stuttgarter Landtag mit einem respektablen Ergebnis gelingen, hätte dies der Partei Aufwind gegeben. Nach langen Jahren in der Opposition sehnten sich viele in der Partei zudem nach einer Rückkehr in die Landesregierung. Spitzenkandidat war Partei- und Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Doch auch wenn die Partei in Umfragen meist stabil bei um die 7 Prozent lag, verpasste die FDP letztlich den Einzug in den Landtag: Mit 4,4 Prozent der Zweitstimmen blieb sie letztlich deutlich unter der 5-Prozent-Hürde.
Landesvorsitzender der FDP
Andreas Glück

Nach der aus FDP-Sicht desaströsen Landtagswahl 2026 wählte die Partei Andreas Glück zum neuen Landesvorsitzenden. Der Chirurg wurde 1975 in Münsingen geboren und ist dort auch aufgewachsen. 2009 wurde er in den Münsinger Gemeinderat gewählt und 2011 für die FDP in den baden-württembergischen Landtag. Dort war er unter anderem Mitglied des Umweltausschusses. Seit 2019 ist Andreas Glück Mitglied des Europäischen Parlaments. Nach eigenen Angaben arbeitet er aber weiterhin „in geringem Umfang“ als Arzt.
Als der damalige Landesvorsitzende Hans-Ulrich Rülke nach der Wahl 2026 seinen Rücktritt ankündigte, bewarb Glück sich um die Nachfolge. Eine Mitgliederbefragung gewann er mit 55,2 Prozent der Stimmen, bevor ihn am 26. September die Delegierten mit mehr als 89 Prozent zum Vorsitzenden wählten (bei einem Gegenkandidaten).
Zahlen und Fakten
Mitgliederzahlen
Die FDP in Baden-Württemberg hat etwa 8.800 Mitglieder (Stand: Juni 2025).
Organisationsstruktur
Der Landesverband der FDP gliedert sich in neun Bezirke, 42 Kreisverbände und rund 250 Ortsverbände. Organe des Landesverbands sind der Landesparteitag, die Landesvertreterversammlung, der Landeshauptausschuss und der acht Mitglieder zählendeLandesvorstand (30 Mitglieder mit dem erweiterten Landesvorstand).
14 Landesfachausschüsse (LFA) arbeiten inhaltlich zu verschiedenen Themen.
Zudem gibt es elf weitere Vereinigungen, die rechtlich von der Partei sind und das sogenannte „liberale Vorfeld“ bilden. Hinzu kommt die Reinhold Maier Stiftung.
Historische Entwicklung der Partei
Nach 1945: Der politische Liberalismus wird wieder aktiv
Zunächst hemmten im Südwesten nach 1945 die politische und verwaltungsrechtliche Trennung der alten Länder und die Lizenzierungspolitik der Besatzungsmächte die Wiederbegründung einer liberalen Partei, die zudem traditionell ein lockeres Organisationsgefüge hatte.
Am 18. September 1945 wurde im Haus der Stuttgarter Demokratenfamilie Haußmann die „Demokratische Volkspartei“ Stuttgart gegründet. Mit dem Parteinamen knüpften die Gründer an die große Tradition der „Demokratischen Volkspartei“ in Württemberg an, die 1864 von Julius Haußmann, Carl Mayer und Ludwig Pfau gegründet worden war und seit 1866 in Stuttgart das „Dreikönigstreffen“ abhielt, das sich heutzutage längst zu einer FDP-Parteiveranstaltung mit bundespolitischer Bedeutung entwickelt hat. Mit der Namensgebung war aber auch die Traditionslinie zur liberalen Bewegung der Revolution von 1848/49 hergestellt. Erst am 14. Dezember 1945 genehmigte die US-amerikanische Besatzungsmacht die Gründung des Landesverbands Württemberg-Baden der DVP.
In der französischen Besatzungszone stieß die Gründung einer liberalen Partei auf den offenen Widerstand des Militärgouverneurs, der ein eng gefasstes Parteiensystem favorisierte, in dem er für die Liberalen keinen Platz sah. In (Süd-)Baden waren die treibenden Kräfte Wilhelm Stahl und Paul Waeldin. Sie reichten am 20. Januar 1946 das Gesuch auf Zulassung einer „Demokratischen Partei“ ein, das von den Franzosen aber erst Ende Mai 1946 genehmigt wurde. Noch hinhaltender operierten die Franzosen in Württemberg-Hohenzollern. Die DVP konnte sich hier erst erst am 17. August 1946 gründen.
Die Partei sprach drei unterschiedliche, sozial aber eng verbundene Schichten an: Sie war fast ausschließlich in den protestantischen Landesteilen vertreten; sie hatte weiterhin Erfolge in den industriell entwickelten Regionen, und sie war dort am erfolgreichsten, wo der Anteil an Selbstständigen, mittleren Gewerbetreibenden und Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hoch war.
Für den Südweststaat

Durch die Politik von Reinhold Maier war die Partei von Anfang an auf die Vereinigung der drei südwestdeutschen Länder zum neuen Bundesland Baden-Württemberg festgelegt worden. Die FDP/DVP stellte dann auch 1952 mit Reinhold Maier den ersten Ministerpräsidenten des neuen Landes Baden-Württemberg. Reinhold Maier und Theodor Heuss, der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, waren beide prominente Vordenker des neuen Bindestrichlandes.
Rund vier Jahre vor der Gründung des Südweststaates, im Dezember 1948, war in Heppenheim die Freie Demokratische Partei (FDP) der drei Westzonen und Berlins gegründet worden. Mit der Gründung Baden-Württembergs entstand dann auch der Landesverband Baden-Württemberg der liberalen Partei, der 1953 durch den Beitritt des Landesverbands Württemberg-Hohenzollern abgeschlossen war. Bis vor einigen Jahren nannte sich die FDP in Baden-Württemberg FDP/DVP. Inzwischen trägt sie nur noch den Namen FDP, während die Landtagsfraktion mit der Bezeichnung FDP/DVP weiterhin an die liberale Tradition der Deutschen Volkspartei im Südwesten erinnert.
Einfluss der FDP seit den 1950er-Jahren bis heute
Bei der ersten Landtagswahl 1952 hatte die FDP 18 Prozent der Stimmen erhalten und konnte sogar den ersten Ministerpräsidenten des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg stellen. An den CDU-geführten Regierungen der Ministerpräsidenten Müller und Kiesinger war sie durchgehend bis 1966 als kleinerer Regierungspartner beteiligt. Bis zu Beginn der 1970er-Jahre konnte die FDP in Baden-Württemberg zweistellige Wahlergebnisse einfahren, was nicht zuletzt auch daran lag, dass die Bundes- und Landes-CDU in weiten Teilen noch immer als vorwiegend katholisch geprägt eingeschätzt wurde und die FDP als gewissermaßen „evangelische CDU“ davon profitieren konnte.
1969 bildete die Bundes-FDP zusammen mit der SPD Willy Brandts die erste sozialliberale Koalition im Bund. Dieser Umschwung der FDP nach „links“ führte dazu, dass die FDP auch in Baden-Württemberg Wählerstimmen und Mitglieder vor allem an die CDU verlor. Bei den Landtagswahlen 1972 rutschte sie erstmals unter die Zehnprozentmarke (8,9 Prozent). 1988 und 1992 schaffte sie mit jeweils 5,9 Prozent der Stimmen nur knapp den Sprung ins Parlament.
Erst 1996 wurde sie unter Ministerpräsident Teufel (CDU) wieder Regierungspartei und trug bis 2011 Regierungsverantwortung in Koalitionen mit der CDU. 2011 konnte die FDP mit 5,3 Prozent der Stimmen erneut nur knapp die Fünfprozenthürde überwinden. Danach konnte die Partei zwischenzeitlich einen Aufwärtstrend verzeichnen: Bei der Landtagswahl 2016 erhielt die FDP 8,3 Prozent, bei der Landtagswahl 2021 noch 10,5 Prozent der Stimmen. Damit erreichten die Liberalen ihr bestes Ergebnis seit 2006, es fanden auch Sondierungsgespräche für eine grün-geführte Ampel-Regierung statt (zu der es dann nicht kam).
Allerdings verfehlte die FDP bei der Wahl 2026 den erneuten Einzug in den Landtag – eine Zäsur für die Partei in dem Bundesland, in dem sie zuvor so viele Jahre lang die Politik maßgeblich mitbestimmt hatte.
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Autor: Internetredaktion LpB BW | letzte Aktualisierung: Juli 2026